Wenn Ingenieure und Techniker in der Fussballnation Deutschland heute nach einem Projekt suchen, mit dem sich ihre tägliche Arbeit von Automatisierungs- und Robotertechnik über schnelle Daten- und Bildverarbeitung zur Softwareentwicklung publikumswirksam präsentieren lässt, ist es nicht verwunderlich, wenn dabei ein Oliver-Kahn-Roboter herauskommt. Zur Zeit touren gleich zwei Torwart-Roboter durch Deutschland und heizen den Ehrgeiz von Amateur- und Profifussballern an, im Wettstreit Mensch-Maschine die Ehre unserer Spezies zu retten - oft vergeblich.
Bereits im letzten Jahr stellte das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML ihren Robokeeper vor, der in einem verkleinerten Tor in der Mitte an einer Antriebseinheit mit Getriebe fixiert ist, die ihm eine 180 Grad Drehbewegung erlaubt.
Beim Ideenpark 2008 in Stuttgart stellte das Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik nun erstmals ihr Projekt GOALIAS vor, bei dem der Torwartroboter die ganze Torbreite von 7,32 m abdecken muss. Nach dem Abschuss bleiben dem System nur 400 ms, um die mit dem GOALIAS Torwart bedruckte Platte auf den beiden Führungsschienen korrekt zu positionieren. Damit dies gelingt, braucht es:
- eine Hochgeschwindigkeitskamera mit einer Auflösung von 782 x 582 Pixeln,
- eine Bildaufnahmefrequenz von 55 Frames pro Sekunde,
- drei Kameras, aus deren Bildern die Position des Balles im Raum berechnet wird,
- einen leistungsstarker Motor, der GOALIAS mit achtfacher Erdbeschleunigung auf 55 km/h Spitzengeschwindigkeit bringt,
- einen Vorhang von Lichtschranken, der das Gerät stoppt, wenn sich etwas nähert, das grösser ist als ein Fussball,
- und eine Torwart-Figur, die auch Treffer von über 100 km/h schnellen Bällen ohne Blessuren übersteht.
Bisher hält GOALIAS über 90% der Bälle. Zum Vergleich: Ein normales PC-Schachprogramm schlägt 99,9% der Weltbevölkerung mühelos. Doch hoffen wir, dass die Entwickler ihre mechanischen Torhüter nicht zu sehr perfektionieren, denn ohne die Möglichkeit eines Siegs wird der Wettkampf gegen die Maschine schnell ihren Reiz verlieren.
Impressionen vom ersten grossen Einsatz von GOALIAS im Ideenpark 2008 in Stuttgart.
P.S.: An der ETH Zürich arbeiten Studenten an der Ballschussmaschine “Bender”, die die Bälle nicht nur ins Tor feuert, sondern ihnen auch noch einen Drall und damit eine gebogene Flugbahn verleiht. Vielleicht wird es bald ein Fussball-Wettkampf der Roboter geben? Erste Impressionen des “Bend it” Projekts hat es auf der ETH Seite.
