Archiv für die 'Science Center' Kategorie

Schwebende Seifenblasen

Publiziert von admin am 15. Juni 2008

Das Exponat “Schwebenden Seifenblasen (”Buoyant Bubbles”), basierend auf einer Idee des Exploratoriums, macht die unterschiedliche Dichte von Gasen sichtbar. Im Wesentlichen lässt man grosse Seifenblasen in ein tiefes Glasbassin sinken. Kurz vor dem Boden werden sie wie von Geisterhand gestoppt und schwingen wie auf der Oberfläche einer unsichtbaren Flüssigkeit hin und her. Dabei werden sie sogar grösser, bevor sie platzen.

Funktionieren tut das, weil man das Bassin mit Kohlenstoffdioxid befüllt hat, das aufgrund seiner grösseren Dichte zu Boden sinkt. Die Seifenblase mit der in ihr eingeschlossenen (Atem-) Luft schwimmt auf diesem Kohlenstoffdioxidsee und aufgrund der hohen Konzentration des Gases am Boden diffundiert Kohlenstoffdioxid in die Seifenblase hinein.

Das abgebildete Exponat steht im Techniquest Science Center in Cardiff. Beim Gebrauch fallen zwei mögliche Schwachstellen auf, beide am Seifenblasenspender. Zum einen ist der Seifenblasenring nicht ein separater Ring mit einem Rand, sondern lediglich ein aus dem Stiel ausgestanztes Loch. Es scheint, dass sich die Seifenlauge der Blase am gesamten breiten Stiel hinab bewegt und sich so schwerer von ihm ablöst und leichter platzt. Ein Seifenblasenring mit Rand würde vermutlich zuverlässiger Blasen produzieren. Zum anderen wirkt der Griff beim heftigen Gebrauch durch die Besucher wie ein Schaumschläger und mit den vielen Bläschen in der Lauge wird es schwieriger einen gleichmässigen Film zu erhalten. Eventuell könnte ein gedämpftes Lager die Kippbewegungen, mit der der Stiel mit Seifenblasenring in die Lauge getaucht wird, verlangsamen und so die Schaumbildung verringern?

Techniquest Cardiff - konsequent kunterbunt

Publiziert von admin am 13. Juni 2008

Techniquest Cardiff

Bunt, rund und viel Plastik - diese Beobachtungen bestimmen den ersten Eindruck beim Besuch des Techniquest in Cardiff, mit 22 Jahren eines der ältesten Science Center Grossbritanniens. Über die kunterbunten auf Kinderhöhe montierten Exponate, die dem Raum eher die Anmutung eines grossen Kinderzimmers geben, mag man geteilter Meinung sein, sie sind aber gewiss als Teil der Corporate Identity zu einem Markenzeichen des Techniquest geworden.

Und sie zeigen trotz manchmal kindlicher Anmutung auch komplexere Naturphänomene auf anschauliche Art. Dank der langjährigen Erfahrung und der eigenen Werkstatt im Haus entstehen an der Cardiff Bay auch interessante Neuentwicklungen, z.B. die Wasserstoffrakete, die Wasserexponate, die “Head on a plate” Illusion und zahlreiche Exponate zum Thema Musik.

Das auf den ersten Blick vielleicht “billig” wirkende Plastik der Gehäuse der Exponate ist tatsächlich glasfaserverstärkter Kunststoff, der sich erstaunlich widerstandsfähig zeigt und praktisch keine Gebrauchsspuren aufweist. Zudem reduziert dieser Werkstoff das Gewicht der Exponate erheblich.

Wie das Explore @Bristol auf der anderen Seite des Severn hat auch das Techniquest seine eigene, wenn auch etwas kleinere, silberne Kugel mit einem Planetarium darin.

Name Techniquest
Ort/Land Cardiff/Wales/Grossbritannien
Exponate Ca. 140
Besucher/Jahr 180′000 (über 330′000 inklusive Regionalcenter und Schulaktivitäten)
Fläche Ca. 3′400 m2
Angestellte (Gesamt/100%
Stellen)
keine Angaben, geschätzt 90/50
Budget/Jahr 3 Mio. £
Anmerkungen Drei Regionalstandorte in Wales, die Regierung in Wales steuert gut 1/3 des Budgets bei. Die Exponate aus Kunststoff haben ein typisches Techniquest-Design.

Anders als in England unterstützt die Regierung in Wales Science Center finanziell und trägt etwa ein Drittel der Kosten, vor allem für Schulprogramme. Das Science Center hat drei weitere kleine Ableger im Norden und Westen von Wales und wenn die Schulen nicht ins Science Center kommen können, kommt das Science Center in die Schulen, nur für einen Vortrag, mit dem aufblasbaren Planetarium oder in Form der “Outreach” Kits, ein Baukastensystem mit einfachen Versuchen zum Thema Mathematik und Physik. Es ist eines der erklärten Ziele des Techniquest, seine Dienste in allen Regionen von Wales anzubieten, damit alle der gut 3 Millionen Waliser Zugang zu dieser Art der Wissenschaftsvermittlung haben.

Eine eigene Abteilung “Business Development” bemüht sich um den Verkauf von Exponaten, dem Verleih von Ausstellungen und den Einsatz der “Outreach” Kits in Schulen.

Techniquest

Explore-At-Bristol

Publiziert von admin am 11. Juni 2008

At-BristolIm Jahr 2000 wurde ein Teil des alten Hafenviertels in Bristol mit grossem Aufwand zum Erlebnis-Reiseziel “At-Bristol” umgebaut. Zu At-Bristol gehörte ursprünglich ein Ensemble von drei Einrichtungen: Das Science Center Explore, ein IMAX Kino und der Wildwalk, ein Erlebnislehrpfad durch eine Dschungellandschaft. Nach wenigen Jahren musste der Betrieb von Kino und Wildwalk 2007 wegen fehlender Finanzierung eingestellt werden. Jährlich hätten 1.5 Millionen Pfund durch Spendenaktionen zum Betrienb beschafft werden müssen. Das IMAX und Wildwalk Gebäude steht heute leer, die vertrockneten Pflanzen sind noch in der Halle zu sehen. 2009 soll es von einem anderen Investor zu einem Aquarium umgebaut werden. 

Das Science Center Explore-At-Bristol ist glücklicherweise noch in Betrieb. Der Platz des Millenium Squares mit seinem beigefarbenen Stein, den Licht- und Wasserspielen und der markanten spiegelnden Planetariumskuppel legt sich wie eine Bühne vor das Gebäude des Science Centers, das in einer ehemaligen Eisenbahn-Lagerhalle untergebracht ist.

Explore-At-Bristol mit Millenium Sqaure

Die Ausstellung behandelt eine Fülle von Themen, die neben der Mechanik, der Akustik, dem Magnetismus und der Sinnesphysiologie auch das Gehirn, Liebe und Sexualität, Gesundheit und Biodiversität umfassen. Die Biodiversitätsausstellung ist allerdings im Grunde nur eine Reihe von Bild- und Texttafeln, die etwas bezugslos im Raum zwischen den Exponaten verteilt wurden (vermutlich ein Überbleibsel aus dem Wildwalk?). Das Thema Liebe und Sexualität wird ebenfalls hauptsächlich über Texttafeln und interaktive Bildschirme behandelt, auf denen sich verschiedene Interviewszenen abrufen lassen. Einzig das Modell der schwangeren Frau ist eine Art interaktives Exponat, da man bei leichtem Druck auf ihren Bauch eine unregelmässig geformte rotierende Scheibe spürt. Im Fernsehstudio können Besucher selber zum Nachrichtensprecher, Kameramann oder Toningenieur werden und sogar den Text des Teleprompters vorgeben.

Im Vorraum zum Planetarium begegnet man unter dem Roboterarm des Space Shuttles einer Galerie von Technologien, die wird der Weltraumforschung zu verdanken haben. Im Planetarium, das einen Kuppel-Durchmesser von schätzungsweise 8-10 Metern hat, wirft ein kleiner Projektor mit leider flackerndem Licht unscharfe Sterne an die Wand. Der hervorragende Vortrag und der Vortragsstil der jungen Präsentatorin macht dieses Manko aber wieder wett.

Explore-At-Bristol entwickelt auch eigene Sonderausstellungen, darunter die “Inside DNA” Ausstellung, die einen vielfältigen Blick auf die Themen Vererbung, DNA, Forensik und Diagnostik wirft, und die “Love Sport” Ausstellung, die die Besucher zum aktiven Mitmachen anregt, sei es beim Sprint auf unterschiedlichen Bodenmaterialien, dem Basketball-Korbwerfen, dem Reaktionstest-Spiel, dem Fitnessradfahren vor einem Grossbildschirm mit simulierter Strecke, oder bei den Fitnessübungen mit dem digitalen Trainer, der nur aus Knochen und Muskeln besteht.

Die Exponate der Dauerausstellung sind, anders als die der Sonderausstellungen, recht unterschiedlich gebaut, aus Metall, Kunststoff oder Holz. Eine eigene Handschrift erkennt man noch nicht, da wohl vieles in Auftrag gegeben oder gekauft wurde.

Name Explore-At-Bristol
Ort/Land Bristol/Grossbritannien
Exponate 170
Besucher/Jahr 150′000
Fläche ca 3′500 m2
Angestellte
(Gesamt/100% Stellen)
Keine Angaben
Budget/Jahr 4,3 Mio £
Anmerkungen IMAX und Wildwalk wurden 2007 geschlossen, Sonderausstellungen “Inside DNA” und “Love Sport”

 

Seit 2005 wird das Explore-At-Bristol, von Goéry Delacôte geleitet,  einem französischen Wissenschafter, der zuvor 15 Jahre Direktor des Exploratoriums in San Francisco war. Neben den Ausstellungen und tragbaren Wanderausstellungen für Schulen leistet das Science Center in Bristol als einziges in Grossbritannien mit dem Science Learning Center auch einen Beitrag zur Ausbildung von Lehrern. Dabei arbeitet es eng mit den Universitäten in Bristol und Plymouth zusammen.

Auf relativ kleinem Raum bietet sich dem Besucher ein grosses Sammelsurium verschiedenster Themen, die den Besuch zu einem kurzweiligen, abwechslungsreichen Erlebnis machen. Manch interessantes Phänomen, das man gerne näher kennen gelernt hätte, wird allerdings nur gestreift. Einige Exponate, vor allem jene mit Bildschirm, dienen nicht in erster Linie der Veranschaulichung eines Phänomens, sondern laden die Besucher ein, an der gesellschaftlichen Diskussion über den Einsatz von Technologie und Wissenschaft teilzunehmen. Dies wird besonders bei der “Inside DNA” Sonderausstellung deutlich.

Explore-At-Bristol

Wer gerade in der Nähe von Bristol ist und mit der Bahn anreisen möchte, sollte beim Bahnhof nach dem Kombinationsticket inklusive Eintritt ins Science Center und Bustransfer in Bristol fragen. Aus dem gut 70 Kilometer entfernten Cheltenham kostet das Kombiticket nur 13 £!

Deutsches Museum - bald ausser Betrieb?

Publiziert von admin am 4. Juni 2008

 

400 Millionen Euro wären über die nächsten 10 Jahre nötig, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und die nötigen Sanierungsarbeiten durchzuführen - zu diesem Schluss kam eine von der Museumsleitung in Auftrag gegebene Studie von Mckinsey & Company im März 2008. Wir konnten kaum glauben, dass DAS technische Museum Deutschlands, dass seinen Alleinvertretungsanspruch und seine Universalität seit über 80 Jahren selbstbewusst mit dem schlichten wie erhabenen Namen “Deutsches Museum” unterstreicht, in solch desolatem Zustand sein sollte. Und verschafften uns selbst ein Bild.

Tatsächlich haben die Jahrzehnte ihre Spuren an dem Gebäude hinterlassen. Wie weit die Infrastruktur hinter den Kulissen darunter leidet, kann der Besucher nur erahnen. Offensichtlicher sind aber die Mängel in der Ausstellung, vor allem dort, wo das Museum zum Science Center wird und den Besuchern das eigene Experiment erlaubt. Deutliche Gebrauchsspuren zeichnen viele Stationen aus, abgegriffen und ausgeblichen. Leider findet man auch viel zu häufig einen Zettel neben dem Exponat, auf dem in roten Lettern “Ausser Betrieb” steht. Wie jeder Ausstellungsmacher weiss, kann die Enttäuschung über ein defektes Exponat schwerer wiegen als die Freude über zehn funktionierende. Nicht einmal Papier hat es mehr an der Station, an der man sich von der stabilen Struktur gefalteten Papiers überzeugen könnte. 

Noch bedauerlicher als die mangelnde Pflege der Ausstellungen ist die Frustration der Mitarbeiter über die Situation, die sie leider auch offen zur Schau stellen. Vom unfreundlichen Herrn am Eingang, der kein Verständnis dafür aufbringt, dass die Besucher während des Besuchs in den Innenhof gehen wollen (obwohl dies mit einem Stempel auf der Hand auf Nachfrage problemlos funktioniert) zur Dame bei der Führung, die sich über die Personalpolitik beklagt. Mindestens vier der angekündigten Führungen fielen an diesem Tag ohne Angabe von Gründen aus.

Werden sich Politik und Wirtschaft, die den Mangel an Ingenieuren und Technikern beklagen, engagieren und dem Museum, das Generationen von Menschen für Technik und Naturwissenschaft begeisterte, einen Neuanfang ermöglichen?

Bei aller Kritik bleibt die Sammlung des Deutschen Museums  einmalig und ist einen Besuch wert.