Archiv für Juni 2008

Cheltenham Science Festival 2008

Publiziert von admin am 21. Juni 2008

Cheltenham Town Hall während des Science FestivalsCheltenham im Westen Grossbritanniens am Fusse der englischen Postkarten-Idylle der Cotswolds hat sich zu der britischen Festival-Stadt entwickelt. Neben den Musik- und Literaturfestivals hat sich seit seit 2002 auch das Science Festival hinzugesellt und ist bereits heute eines der grössten und angesehensten Festivals dieser Art.

Dieses Jahr besuchten mehr als 19′000 Besucher zwischen dem 4. und 8. Juni die über 120 Veranstaltungen in der Town Hall und in den Zelten auf dem Millenium Square. Die Namen der Redner und Präsentatoren lasen sich wie das Who is Who der britischen Wissenschaftsszene und der BBC Dokumentationen. Nur eine Auswahl:

  • Richard Dawkins (Evolutionsbiologe, Autor von “The Selfish Gene”, “The Blind Watchmaker”, “The God Delusion”)
  • Robert Winston (Fortpflanzungsmediziner, Buchautur und BBC Präsentator von zahlreichen Dokumentationen über die Biologie des Menschen)
  • Ben Goldacre (Mediziner und Autor der “The Guardian” Kolumne Bad Science)
  • Martin Rees (Astrophysiker, Präsident der Royal Society)
  • Steven Pinker (Psychologe, Autor von “The Language Instinct”, “How the Mind Works”, “The Stuff of Thought”)

Die Veranstaltungen waren eine gelungene Mischung aus Vortrag und Diskussion mit dem Publikum, das Gelegenheit erhielt, seine Fragen an die Wissenschafter zu richten. Besonders bei persönlicher Betroffenheit, wenn es um Krankheiten, Vererbung oder Erziehung ging, wurde von dieser Möglichkeit rege Gebrauch gemacht. Die Moderatoren haben grossartige Arbeit geleistet bei der Leitung der Diskussionen. Nach den Vorträgen standen die meisten Redner auch ausserhalb des Saals noch für Fragen zur Verfügugung. 

Die Vorträge haben nicht nur den wissenschaftlichen Mainstream wieder gegeben, sondern auch Raum gelassen für kontroverse Themen. 

Im “Experitent” wurde Experimente und Präsentationen mit Versuchen durchgeführt, auf dem Freigelände gab es zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Familien und ein auf dem Festivalgelände aufgebauter Buchladen füllte die Regale mit beeindruckend langen Reihen von Büchern der am Festival teilnehmenden Autoren.

Das Science Festival war 2007 auch Austragungsort des FameLab Finales, dem Studenten-Wettbewerb um den besten Wissenschafts-Vermittler. Und in der Haupthalle der Town Hall luden zahlreiche Stände verschiedenster Organisationen mit Experimenten aller Art zum eigenen Erforschen und Ausprobieren.

Undeniably and undoubtedly the best science festival in this country, and one that only gets better

Lord Robert Winston

Die beiden Festivaldirektoren Kathy Sykes (Professorin für Public Engagement in Science and Engineering an der Universität Bristol) und Mark Lythgoe (Direktor des Centre for Advanced Biomedical Imaging am University College London) und ihr Team haben ein beeindruckendes Wissenschaftsfestival erfolgreich auf die Beine gestellt. Es war faszinierend zu sehen, wie begeistert die Besucher von diesem Angebot Gebrauch machten, obwohl sie für jede einzelne Veranstaltung zwischen 4 und 8 £ Eintritt zahlen mussten.

Cheltenham Science Festival

Kostenfalle IMAX Kino

Publiziert von admin am 20. Juni 2008

imax-logoDie auf 70 mm-Film aufgenommenen Aufnahmen bieten ein Filmerlebnis mit unerreichter Auflösung und Bildqualität und die schiere Grösse der Leinwand, die mehr zeigt, als das Blickfeld eines Menschen erfassen könnte, machen aus dem Kino-Besuch ein aussergewöhnliches Erlebnis - das ist IMAX Kino.

Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Auf der anderen Seite stehen viele gescheiterte IMAX-Projekte, weil sich die hohen Kosten für die Einrichtung eine IMAX Kinos (ca. 5 Millionen US $) und den Filmverleih nur bei beständig vollem Haus decken lassen. 200′000 zahlende Besucher sollten es schon sein, damit das Kino lukrativ bleibt (für bestehende Kinos hat die kanadische Firma IMAX inzwischen auch preiswerterer Lösungen im Angebot, die wiederum mit den echten IMAX Kinos in Konkurrenz stehen werden). Viele der bestehenden IMAX Kinos in Science Centern oder Museen in Grossbritannien werden tatsächlich über staatliche Beihilfen oder Spenden von Unternehmen subventioniert.

Dennoch erlitten nicht wenige IMAX Kinos ein ähnliches Schicksal: Nach einem fulminanten Start und Besucherrekorden, der die herkömmlichen Kinos neidisch macht, flaut das Interesse schnell ab und die Menschen sehen für weniger Geld lieber wieder mehr Handlung im klassischen Lichtspielhaus. 

  • Das Deutsche Museum in München eröffnete 1992 das erste IMAX Kino Deutschlands, musste es aber 2005 schliessen.
  • Im Discovery Channel IMAX in Berlin gingen die Lichter 2006 aus.
  • Neben diesen beiden sind in Deutschland seit 2001 vier weitere IMAX Kinos geschlossen worden (Quelle).
  • Auch das IMAX neben dem Technischen Museum in Wien hat seit 2005 nicht mehr offen.
  • Das IMAX-At-Bristol musste 2007 nach sieben Jahren wieder geschlossen werden.
  • Das IMAX Kino in Birmingham wurde 2004 lange Zeit geschlossen, wurde aber inzwischen wieder eröffnet …

Obwohl man vor einigen Jahren begonnen hat, neben den Eigenproduktionen auch 5-6 Hollywoodfilme pro Jahr für ihr Riesen-Format aufzubereiten, haben die IMAX Kinos in Europa nicht einen so grossen Erfolg wie in den USA und das Geschäft wächst zur Zeit vor allem in Asien, wo das IMAX Erlebnis noch neu ist. 

Das einzige Schweizer IMAX Kino im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern mit seinen über 300′000 Besuchern läuft profitabel.

 

Nano-Bio Kits

Publiziert von admin am 19. Juni 2008

Um Schülern den experimentellen Zugang zu Bio-, Medizin- und Nanotechnologien zu erleichtern, hat das Institute of Bioengineering and Nanotechnology (IBN) in Singapur drei so genannte Nano-Bio Kits entwickelt. Sie richten sich an 15-19 Jahre alte Schüler und enthalten neben den speziellen Werkzeugen und Materialien auch Anleitungen und Hintergrundinformationen für eine Reihe von Experimenten, die man in einem Schullabor durchführen kann.

Nano-Bio Kits

Die drei Kits behandeln folgende Themen:

  • Das Biological Fuel Cell Kit erlaubt den Bau einer Bio-Brennstoffzelle, in der Zucker durch an Nanopartikel gebundene Enzyme an der Anode oxidiert wird. Ein weiteres Enzym an der Kathode reduziert Sauerstoff und schliesst damit den Stromfluss. Diese Art der der Brennstoffzelle wurde erst 2007 beschrieben.
  • Mit dem Dielectrophoresis Kit können Schüler einen Dielektrophorese-Chip mit Hilfe eines photolithografischen Verfahrens bauen. Auf dem Chip können Zellen oder Nanopartikel in dem inhomogenen elektrischen Feld manipuliert oder nach Grösse sortiert werden.
  • Das Thermo-Responsive Hydrogel Kit erlaubt die Herstellung eines temperaturempfindlichen Polymer-Materials, in dem die Diffusion von Stoffen von der Temperatur abhängt. Die Versuche veranschaulichen die Wirkungsweise gezielter Phamakotherapien.

Die einzelnen Kits kosten etwa 100 CHF/60 €.
Leider gibt es bisher keine unabhängigen Berichte vom Einsatz des Kits in einer Schule.

Nano-Bio Kits Website

 

Famelab - Talente für die Wissenschaftskommunikation

Publiziert von admin am 17. Juni 2008

“Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ 

Ludwig Wittgenstein

Wissenschaft einem nicht-wissenschaftlichen Publikum nahe zu bringen, ist eine Fähigkeit, die leider in den Lehrzielen vieler Universitäten fehlt. Viel zu schnell unterhält sich der Spezialist mit seinem Fachchinesisch nur noch mit den wenigen anderen Spezialisten, die dieser Sprache mächtig sind. Dabei sollte ein Wissenschafter seine oder ihre Arbeit auch allgemeinverständlich einem breiten Publikum präsentieren können,

  • um der Bevölkerung eine überzeugende Erklärung für die Verwendung ihrer Steuergelder zu geben,
  • um die Relevanz der Forschung für die Gesellschaft aufzuzeigen,
  • um die Gesellschaft in die wissenschaftliche Diskussion zu involvieren, da sie letztlich über die Akzeptanz neuer Technologien entscheidet,
  • und um in der Auseinandersetzung mit dem Publikum und seinen Fragen den eigenen Horizont zu erweitern.

Schon der Versuch, die eigenen Arbeiten allgemeinverständlich aufzubereiten, zwingt einen zum Gebrauch eines anderen Vokabulars und einer Veranschaulichung der Forschung, die die Erfahrungen des Publikums berücksichtigt.  Wie der Philosoph Wittgenstein bemerkte, sind die Grenzen unserer Sprache die Grenzen unserer Welt. 

Der vom British Council durchgeführte FameLab Wettbewerb sucht Wissenschafter, die diese Grenzen überwinden wollen, um allen Menschen Wissenschaft nahe zu bringen. Die Teilnehmer des Wettbewerbs erhalten ein Wochenendtraining, um ihre Vortragstechnik und Bühnenpräsenz zu verbessern. (more…)

Bubble Screen - Blasen Bildschirm

Publiziert von admin am 17. Juni 2008

Der Bubble Screen ist ein alternatives Bildschirmsystem, das statt Lichtpunkten Luftblasen verwendet, die in einem Behälter mit Öl aufsteigen. Durch die in einer Reihe angeordneten sehr präzise steuerbaren Luftdüsen kann man mit den Blasen ein Pixelmuster erzeugen, um Muster oder Schriften darzustellen. Durch die aufsteigenden Blasen entsteht ein Effekt, der an einen vertikal verlaufenden News Ticker erinnert. Die Grösse der Blasen bestimmt die Geschwindigkeit und bestimmt die Intensität der “Pixel”.

Eyal Burstein vom Londoner Design Studio Beta Tank hat diesen Prototypen entwickelt, der erstmals in der Ausstellung “Design and the Elastic Mind” im Museum of Modern Art in New York zu sehen ist.

 

Bubble ScreenIn der Online-Ausstellung des MoMA zeigt eine Video den Bubble Screen in Aktion.

Schwebende Seifenblasen

Publiziert von admin am 15. Juni 2008

Das Exponat “Schwebenden Seifenblasen (”Buoyant Bubbles”), basierend auf einer Idee des Exploratoriums, macht die unterschiedliche Dichte von Gasen sichtbar. Im Wesentlichen lässt man grosse Seifenblasen in ein tiefes Glasbassin sinken. Kurz vor dem Boden werden sie wie von Geisterhand gestoppt und schwingen wie auf der Oberfläche einer unsichtbaren Flüssigkeit hin und her. Dabei werden sie sogar grösser, bevor sie platzen.

Funktionieren tut das, weil man das Bassin mit Kohlenstoffdioxid befüllt hat, das aufgrund seiner grösseren Dichte zu Boden sinkt. Die Seifenblase mit der in ihr eingeschlossenen (Atem-) Luft schwimmt auf diesem Kohlenstoffdioxidsee und aufgrund der hohen Konzentration des Gases am Boden diffundiert Kohlenstoffdioxid in die Seifenblase hinein.

Das abgebildete Exponat steht im Techniquest Science Center in Cardiff. Beim Gebrauch fallen zwei mögliche Schwachstellen auf, beide am Seifenblasenspender. Zum einen ist der Seifenblasenring nicht ein separater Ring mit einem Rand, sondern lediglich ein aus dem Stiel ausgestanztes Loch. Es scheint, dass sich die Seifenlauge der Blase am gesamten breiten Stiel hinab bewegt und sich so schwerer von ihm ablöst und leichter platzt. Ein Seifenblasenring mit Rand würde vermutlich zuverlässiger Blasen produzieren. Zum anderen wirkt der Griff beim heftigen Gebrauch durch die Besucher wie ein Schaumschläger und mit den vielen Bläschen in der Lauge wird es schwieriger einen gleichmässigen Film zu erhalten. Eventuell könnte ein gedämpftes Lager die Kippbewegungen, mit der der Stiel mit Seifenblasenring in die Lauge getaucht wird, verlangsamen und so die Schaumbildung verringern?